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Glückliches Alpha Centauri
1. Unter einem fremden Stern Einige werden wissen, dass Alpha Centauri der erdnächste Stern ist, "nur" etwas über vier Lichtjahre entfernt. Weniger bekannt dürfte sein, dass der den Stern umkreisende sogenannte Exoplanet "Alpha Centauri Bb" weit intensiver erforscht ist, als allgemein veröffentlicht ist. Die entsprechenden Forschungen von NASA und anderen Organisationen scheinen unter dem Siegel höchster Geheimhaltung zu stehen. Ich bin über den Umweg über die sogenannten "Epstein files" *1 auf die wahrlich erstaunlichen Erkenntnisse gestossen, die man über diesen Planeten schon gesammelt hat.
Danach ist dieser Exoplanet überraschend erdähnlich - es gibt verschiedene Kontinente und Ozeane, eine recht dichte Atmosphäre mit Wetterphänomenen, ebenso einen (etwas kleineren) Mond. Auch Fauna und Flora sind reichlich vorhanden. Mit einigem Recht könnte man "Alpha Centauri Bb" als eine Art Parallel-Erde betrachten. Und so verwundert es nicht, dass es dortselbst sogar vernunftbegabte Zweibeiner gibt, die wir der der Kürze halber "Alpha-Erdlinge" oder noch kürzer "Alphas" nennen wollen. Auf mir noch unklaren Wegen hat man sogar schon einiges über die dortigen Gesellschaften und ihre Geschichte in Erfahrung bringen können.
2. Frieden bei den "Alphas" Die Unterlagen zeigen, dass die "Alphas" eine recht ähnliche Entwicklung durchmachten wie wir hier auf der Erde. Auch dort bildeten sich auf den verschiedenen Kontinenten Menschengruppen, die sich über verschiedene Zwischenstufen zu Staaten formierten. Und auch diese Staaten gerieten über die Jahrhunderte hinweg immer wieder in Konfliktsituationen, und oft genug gab es in der Folge Kriege wie bei uns. Mit der technischen Entwicklung gerieten auch diese Kriege immer umfassender, bis es schliesslich zum dort "Grosser Krieg" genannten Ereignis kam. Nach mehreren Jahren, und nachdem Millionen von "Alphas" ihr Leben auf den Schlachtfeldern verloren hatten, kam es - aus purer Erschöpfung heraus - doch zu einem Friedensvertrag, den aber einige Beobachter eher als "Waffenstillstand für 20 Jahre" werteten. Und richtig, rund 20 Jahre später verwüstete ein noch umfassenderer Krieg noch weitere Gebiete auf dem Planeten. Nach diesen beiden Gross-Kriegen, in der Rückschau "GK-1" und "GK-2" genannt, wurde der Versuch unternommen, durch eine planetenweite Übereinkunft und eine entsprechende Organisation solche Verheerungen künftig zu vermeiden. Die Organisation wurde "V-S" genannt (für "Vereinte Staaten"), und die von allen Staaten vor Aufnahme zu akzeptierende Regelung wurde "V-S-Charta" genannt. Und tatsächlich: Heute, rund 80 Jahre nach den "GK's", präsentiert sich der Exoplanet von Alpha-Centauri erstaunlich friedvoll. Nun ist es nicht so, dass bei den "Alphas" eine Art "Totalfrieden", ein märchenhafter Zustand von "Friede-Freude-Eierkuchen" Einzug gehalten hätte. Nach wie vor ist auch dort "das Leben kein Ponyhof", immer noch kommen die dortigen Nationen in Interessenkonflikte, die sie auch gelegentlich immer noch bewaffnet auszutragen beginnen. Freilich haben die dortigen Staaten nicht mehr die Fähigkeit, einander die komplette Auslöschung *2 anzudrohen, denn die Rüstungsaufwendungen wurden drastisch heruntergefahren. Das hat es erheblich erleichtert, diese kleineren Kriege recht rasch beizulegen - entweder über die von den "V-S" vorgehaltenen Institutionen oder verschiedene bi- oder multilaterale Konferenzen.
3. Geschichte im Konjunktiv Natürlich, die geneigte Leserin, der geneigte Leser wird es längst gemerkt haben: Sowohl der als "Parallel-Erde" beschriebene Planet als auch die dort agierenden "Alphas" sind nur ausgedacht. Und in Wahrheit geht es nicht um GK-1 und GK-2, sondern um WK-1 und WK-2, und es geht um die 1945 gegründeten *k Vereinten Nationen oder "UN" und die UN-Charta. Und letztlich geht es darum, etwas Geschichte im Konjunktiv zu betreiben. Hätte die Nach-Weltkriegs-Geschichte nicht auch deutlich anders verlaufen können, als sie es dann tat? Hätten die Vereinten Nationen und die UN-Charta, die ja explizit gedacht waren als Instrumente der Friedenssicherung, als Instrumente zur Verhinderung solch entsetzlicher Verheerungen, wie sie der Zweite Weltkrieg gezeitigt hatte, nicht wirklich zu friedlicheren Verläufen führen können? Im folgenden wollen wir einige der seit 1945 die Welt bewegenden Krisen in diesem Sinne beleuchten.
4. Die Grundlagen Vorher soll allerdings etwas auf die Grundlagen von UN und UN-Charta eingegangen werden. Zunächst: Nicht ohne Grund habe ich die als Analogon zur hiesigen UN auf Alpha-Centauri angenommene Institution "Vereinte Staaten" und eben nicht "Vereinte Nationen" genannt, denn alles Regelwerk der UN geht eben von Staaten und nicht von "Nationen" aus, mithin von Staaten, die sich gegenseitig anerkennen und gegenseitig "Nicht-Einmischung in die inneren Angelegenheiten" zusichern. Es ist natürlich leicht verständlich, warum man damals dennoch den Titel "United Nations" wählte, denn es gab ja schon ein Gebilde namens "Verein(ig)te Staaten", nämlich die "United States of America". Auch galt ja für die damals wesentlich bestimmenden Staaten aus der nördlichen Hemisphäre meist die Deckungsgleichheit von "Nation" und "Staat". Ein weiterer wesentlicher Grundpfeiler der UN ist das "Selbstbestimmungsrecht der Völker". An der Stelle ist aber schon Konfliktpotential erkennbar, denn was passiert, wenn sich eine Volksgruppe und/oder Region eines bereits bestehenden Staates "plötzlich" als eigenes Volk begreift und sein Selbstbestimmungsrecht einfordert? In den meisten Fällen wird der bestehende Staat seine Existenz oder mindestens seinen bisherigen internationalen Einfluss gefährdet sehen und mehr oder minder harsch gegen die "Separatisten" vorgehen - und dabei gleichzeitig auf "Nicht-Einmischung in die inneren Angelegenheiten" pochen. Meines Wissens ist für diese Umstände innerhalb der UN nie eine zufriedenstellende, "allgemeine" Lösung gefunden worden - vermutlich gibt es auch gar keine. Jedenfalls scheint man sich eher auf ein "se débrouiller" *3 verlassen zu haben. Zurück zu den wichtigsten der 1945 geschaffenen Institutionen der UN: Da ist zum einen die Generalversammlung, in der tatsächlich jeder Staat das gleiche Stimmrecht und Stimmgewicht hat - das kleine Burkina Faso ebenso wie das "grosse" Grossbritannien. Und zum anderen der aus 15 Mitgliedsstaaten bestehende Sicherheitsrat, wobei fünf davon permanente Mitglieder sind: China, Frankreich, Grossbritannien, Russland (als Nachfolger der UdSSR) und die USA. Diese gelten als "Siegermächte des Zweiten Weltkriegs" und haben sich - neben dem permanenten Sitz - ein weiteres Machtinstrument in diesem Rat gesichert, nämlich das vielzitierte Vetorecht. In diesem Gremium, so war es die Absicht, sollen die internationalen Streitfälle vorgelegt, debattiert und (hoffentlich) einer Lösung zugeführt werden. Nun wird heutzutage gerne darüber lamentiert, dass jener Sicherheitsrat (aufgrund u.a. des Vetorechts) "blockiert" sei, dass die grundlegende Struktur mit jenen fünf Weltkriegs-Siegermächten überholt sei und so fort. Allerdings ist diese Struktur ja durchaus änderbar, wofür es u.a. einen Präzedenzfall aus 1971 gibt. Damals wechselte der "China" zuerkannte Sitz von der "Republic of China", die längst auf das Gebiet des damals oft "Formosa", heute Taiwan genannten Inselchens geschrumpft war, zur "Peoples Republic of China", also zu den Festlands-Chinesen oder "Rotchina". Die damalige US-Regierung unter Richard Nixon dürfte damals garnicht so unglücklich darüber gewesen sein, hatten sich doch "Rotchina" und die UdSSR schon längst ideologisch entzweit. In den USA konnte man hoffen, somit mindestens fallweise ein Gegengewicht zur UdSSR aktivieren zu können. Es gäbe also durchaus die Möglichkeit zur Anpassung an veränderte Konstellationen, und z.B. Russland hat ja schon öfter vorgeschlagen, z.B. für Indien und/oder einen Repräsentanten der Afrikanischen Union einen neuen permanenten Sicherheitsrats-Sitz zu schaffen.
5. Was wäre gewesen, wenn... Nun zur angekündigten "alternativen" Geschichtserzählung, die wir anhand von ein paar Krisen der Nach-Weltkriegs-Geschichte angehen wollen. 1950: Bei der Korea-Krise schien noch alles ganz korrekt nach UN-Charta abzulaufen. Die beiden nach dem Weltkrieg entstandenen Koreas (Nord und Süd) waren von ihren jeweiligen Sponsoren militärisch aufgerüstet worden, und als 1950 der offene Krieg ausbrach, wurde vom UN-Sicherheitsrat ganz offiziell eine Militäraktion gegen die nordkoreanischen Invasoren gebilligt. Jene US-Soldaten, die in der Folgezeit in grosser Zahl (bis zu 300'000 *4) in das Land geworfen wurden, kämpften also zumindest symbolisch unter der UN-Fahne. Die Legitimation hatte nur insofern einen Haken, als zum Zeitpunkt der Abstimmung die UdSSR-Delegation den Rat als Protest gegen die Nicht-Repräsentation (Rot-)Chinas verlassen hatte. Alternativ wäre ein Veto der UdSSR denkbar gewesen, damit keine Legitimation des US-Truppeneinsatzes. Die beiden Koreas hätten den Konflikt also mehr oder minder "allein" austragen müssen. Dabei wäre angesichts der jeweiligen Truppenstärken Südkorea entweder komplett besiegt worden, oder aber man hätte sich auf einen Frieden unter Abtretung wesentlicher Gebiete südlich des 38. Breitengrades einigen müssen. Von "westlicher" Seite betrachtet kein angenehmes Ergebnis, aber eines, welches die Anzahl der zivilen Todesopfer (schliesslich mindestens 1,5 Millionen!) drastisch reduziert hätte. Und es hätte einen Friedensvertrag gegeben, den es selbst heute - rund 75 Jahre später - immer noch nicht gibt. 1952: Die sowjetische Regierung unter Stalin unterbreitet den anderen drei alliierten Siegermächten einen Vorschlag zur Zukunft Deutschlands. Diese als "Stalin-Note" in die Geschichtsbücher eingegangene Offerte schlug vor, die kürzlich (1949) erfolgten Staatsgründungen von BRD und DDR rückgängig zu machen, somit Deutschland wiederzuvereinigen - unter der Bedingung, dass dieses Deutschland dauerhaft neutral bleiben und sich keinem Militärbündnis anschliessen würde. Deutschland selber würde die konkrete Ausgestaltung des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Systems in eigener Verantwortung übernehmen, ein Friedensvertrag würde u.a. die Regelungen für den kompletten Abzug aller alliierten Besatzungstruppen binnen kurzer Zeit regeln. Nun, der Vorschlag wurde von den drei "Westmächten", aber auch besonders entschieden von der neuen BRD-Regierung unter Adenauer zurückgewiesen. Die Alternative wäre eine (vorsichtige) Annahme des Vorschlags gewesen, die den Deutschen 40 Jahre zunehmender Entfremdung, den Stacheldraht an der innerdeutschen Grenze und mannigfache andere Opfer erspart hätte. Zudem hätte es einen Friedensvertrag zustande gebracht *5. Natürlich war damals und ist auch in der heutigen Situation immer der Argwohn gewesen, ob die "Soffjets" oder "die Russen" es überhaupt ernst meinen würden. Angesichts dessen, dass der neutrale Status sowohl Finnlands als auch Österreichs in der Nachkriegszeit niemals bedroht wurde, hätte wohl auch ein neutrales (oder "neutralisiertes") Deutschland im Sinne der Stalin-Note durchaus gute Entwicklungschancen gehabt. 1961: Ein schon unter der Eisenhower-Regierung sehr konkret vorbereiteter Plan, die "Operation Mongoose", wird ausgeführt: Rund 1500 von der CIA ausgebildete Exil-Kubaner landen in der sogenannten "Schweinebucht" (bay of pigs) Kubas mit dem Ziel, die seit 1959 herrschende Regierung unter Fidel Castro zu stürzen. Sie werden aber trotz begrenzter US-Luftunterstützung von kubanischer Armee und Milizen bald aufgerieben. Der insbesondere von der US-Air Force propagierten Eskalation hin zu einer umfassenden Bombardierung und US-Invasion verweigert sich der frischgebackene US-Präsident Kennedy jedoch. Die Alternativ-Geschichte könnte zwei Ausprägungen annehmen: Einerseits hätte die US-Regierung unter Beachtung des Nicht-Einmischungs-Gebotes der UN-Charta von vorneherein auf diesen Versuch eines Umsturzes in Kuba verzichten können. Andererseits hätte NACH dem Invasionsversuch der Sicherheitsrat durchaus z.B. wirtschaftliche Sanktionen gegen die USA verhängen können - nach dem Muster von "Korea" vielleicht dadurch, dass man die US-Delegation zum protestweisen Verlassen des Sicherheitsrates gedrängt hätte. Aber das hat es nie gegeben, sondern nur das einseitige, nunmehr über 60 Jahre lang aufrecht erhaltene US-Embargo gegen Kuba. Im letzten Jahr wurde übrigens von der UN-Generalversammlung erneut die Aufhebung dieser Sanktionen verlangt - zum 33. mal in Folge! 6. Regime Change a la carte Um die Sache etwas abzukürzen, können wir einmal die englische Wikipedia befragen, die es eigentlich wissen müsste (wird sie doch einem bekannten Bonmot zufolge in Langley end-redigiert). Dort finden wir folgende schöne Tabelle:
Nun kann jeder Leser für sich die Tabelle durchgehen und im Sinne der "Geschichte-im-Konjunktiv"-Prämisse jeden aufgeführten Konflikt gedanklich daraufhin untersuchen, ob nicht eine sozusagen "UN-konforme" Lösung der Konflikte auch möglich gewesen wäre, und damit ziemlich sicher auch eine weniger blutig verlaufende Geschichte. Freilich - "Geschichte-im-Konjunktiv" kann nichts "beweisen", sondern höchstens verschiedene Ansätze plausibel machen. Auch wird schnell die Frage auftauchen, ob nicht der Antagonist der USA im Kalten Krieg, die Sowjetunion, auch in "regime change"-Operationen involviert war. Tatsächlich gibt es in der US-Wikipedia eine Art "Spiegelseite": https://en.wikipedia.org/wiki/Soviet_involvement_in_regime_change , und auch noch eine weitere zu "Russian involvement in regime change". Bei genauerer Betrachtung erweisen sich die dort aufgeführten Einzelpunkte aber als inhaltlich dünn; so akribisch geplante und mit Codenamen versehene Geheimoperationen wie bei den USA findet man kaum. In der Summe können sowohl die Sowjetunion ab etwa Ende der 1970er und erst recht die Russische Föderation im 21. Jahrhundert als "saturierte Mächte" beschrieben werden, wie im Detail hier erläutert. Verweilen wir noch einen Moment bei dem, was in der Tabelle als "1979-1992 support for the mujahideen in Afghanistan" aufgeführt wird. Auch diese CIA-Operation erhielt die Ehre eines eigenen Codenamens ("Cyclone") und lief schon, bevor die UdSSR den dann sehr öffentlich verurteilten militärischen Einmarsch in das Land unternahmen. Dass der US-"support" auch einem umtriebigen jungen saudischen Dschihadisten namens Osama bin Laden zugute kam, hätte Jahrzehnte später ein grosses Thema bei dem dann begonnenen "war on terror" sein müssen. Wichtiger noch dürften zwei Lehren sein, die die USA aus dem damaligen "Kampf um Afghanistan" zogen: Zum einen wurden damals die ersten von mittlerweile unzähligen, einseitig vom "Westen" verhängten Wirtschaftssanktionen verhängt - und die restlichen NATO-Länder machten dabei ohne grosse Umstände mit. Zweitens hatten sich die radikal-islamistischen Kämpfer um bin Laden, Hekmatjar, Massoud etc., als sehr kostengünstiges Instrument *6 zur Destabilisierung der UdSSR bzw. Russlands erwiesen. Damit sind wir auch schon bei der 1991 offiziell vollzogenen Auflösung der Sowjetunion. Einer der Faktoren, der zur Auflösung beigetragen hatte, war ohne Zweifel der verlustreiche *7 Krieg am Hindukusch gewesen, sozusagen das "Vietnam" der Sowjetunion. Eigentlich hätte 1991 der Startschuss für eine Renaissance des UN-Systems sein müssen, denn der in Jahrzehnten des kalten Krieges zum "evil empire" stilisierte Staat hatte sich ganz von selbst aufgelöst, auch das als Antagonist zur NATO gebildete Militärbündnis "Warschauer Pakt" existierte nicht mehr. Die Rote Armee zog sich vollständig aus den ehemaligen "Pakt"-Staaten zurück. Und da man den Nachfolgern von Chruschtschow und Breschnjew eloquent versicherte (freilich eher nur mündlich), dass sich die NATO "keinen Zentimeter nach Osten" ausdehnen werde, schien umfassender, friedlicher Kooperation eigentlich kein Hemmnis mehr im Weg zu stehen.
7. Sieben Länder in fünf Jahren Aber in der nunmehr einzig verbliebenen "Supermacht" USA kamen ganz andere Gedanken auf. Etwa der "Sieben Länder in fünf Jahren"-Plan von 2001, den der US-General Wesley Clark Jahre später öffentlich machte *8. Die damals geplante Zerstörung von Irak, Syrien, Libanon, Lybien, Somalia, Sudan und Iran ist zwar nicht innerhalb von fünf Jahren abgeschlossen worden, aber mit Iran ist ja nunmehr (2026) der vermutlich härteste "Brocken" sozusagen "in Bearbeitung". Mit der "Frivolität alternder Grossmächte" *9 haben sich die USA in den Jahrzehnten seit 1991 in immer neue Kriege und Konflikte gestürzt. Dauerhafte Friedensregelungen, einst das erklärte Ziel solcher Aktivitäten, scheinen dabei garnicht mehr auf der "Agenda" zu stehen, eher scheint es darum zu gehen, jeglichen möglichen Konkurrenten kräftig "in die Suppe zu spucken" und möglichst vor deren Haustür dauerhafte Kriegsherde oder zerstörte Staatsgebilde einzurichten. Chaos und "perpetual war" als Strategie, um nur ja keine andere Macht aufkommen zu lassen. Der ideale Partner für eine solche Strategie ist das Israel unter Benjamin Netanyahu. Auch dort kann man sich friedliche Koexistenz mit den Nachbarstaaten offenbar garnicht mehr vorstellen, sondern berauscht sich - 80 Jahre nach Ausschwitz - an Vernichtungsphantasien in Bezug auf die Palästinenser. Indem die deutsche Regierung (unter Deklamation einer "Staatsräson", die den Bestand des Staates Israel absolut stellt) weiterhin Waffenlieferungen an Israel erlaubt; indem dieselbe Regierung den USA weiterhin die Nutzung deutschen Luftraums für den Iran-Krieg gestattet *10, ist sie längst Komplize der teils kriegsverbrecherischen Aktionen in Gaza, Westjordanland, Libanon und Iran geworden. Somit müssen wohl auch wir Deutschen uns diese traurige Erkenntnis, die Harrison Berger im US-Magazin "The American Conservative" formulierte *11, zu eigen machen:
8. "Der Hammer" Können uns unsere Akademiker in diesen unsicheren Zeiten Hoffnung geben? Auftritt Herfried Münkler in der Wochenzeitung DIE ZEIT *10, vorgestellt als "der einflussreichste lebende deutsche Politologe": >Münkler hält eine Welt ohne Kriege für Wunschdenken: "Angesichts der Welt, in der wir leben, ist es nicht vorstellbar, dass es in absehbarer Zeit keine Kriege gibt." Der Grund: Es gibt keinen Hüter einer friedlichen Ordnung. "Die Geschichte der Vereinten Nationen vor dieser Aufgabe ist eine des Versagens", sagt er.< So schrecklich neu ist des Herrn Professors Folgerung nicht; schon in den 1980ern argumentierte Sebastian Haffner in seinen "Anmerkungen zu Hitler" ähnlich und erläuterte ausführlicher:
Auch mit seinem Diktum, alle UN-Geschichte sei diesbezüglich nur als Versagen zu werten, liegt Münkler falsch. Aus der Tatsache, dass in allen zivilisierten Staaten Mord verboten ist, aber trotzdem immer noch Morde vorkommen, zu schliessen, dass die Strafandrohung nutzlos und überflüssig sei, ist offensichtlich unsinnig. Entsprechend sind die trotz UN-Charta vorkommenden Kriege kein Versagen der Charta, sonder ein Versagen der betreffenden Staaten, eben diese Charta einzuhalten. Der vermutlich gut besoldete Professor irrt noch an anderer Stelle, wenn er meint, eine bessere "Kriegstüchtigkeit" oder eben Kriegsführungsfähigkeit werde durch den "Abschreckungseffekt" für mehr Sicherheit sorgen. Im Gegenteil zeigen vielfache historische Beispiele (nicht zuletzt die beiden Weltkriege), dass eine Aufrüstung der einen Seite nicht nur zu komplementären Aufrüstungsbemühungen der anderen Seite führt, sondern auch zu erhöhter Bereitschaft, die erreichte militärische Stärke dann auch einzusetzen. Oder prägnanter formuliert: "Wer sich im Besitze eines grossen Hammers wähnt, erklärt jedes Problem zum Nagel!" Und genau dieses Phänomen ist ja bei den USA mit ihrem vollkommen überdimensionierten Militärapparat immer wieder sichtbar gewesen. (21.04.2026)
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*1 Der Suchbegriff "centauri" in der Suchmaske des US-DOJ (https://www.justice.gov/epstein/search) liefert zahlreiche Treffer. *2 So eine Auslöschung eines feindlichen Staates bzw. gleich einer ganzen Zivilisation drohte ja erst kürzlich der US-Präsident ausgerechnet am letzten Ostersonntag dem Iran an. *3 In ihrem Buch zum Ersten Weltkrieg ("August 1914") verweist Barbara Tuchman auf das "Systeme D" der französischen Armee in Bezug auf das Eisenbahntransportwesen, wobei das "D" für "se débrouiller" oder "sich durchmogeln" stand. *4 Tatsächlich kämpften als Teil der "UN-Truppe" damals Soldaten aus rund einem Dutzend Ländern. Aber die USA stellten 90% der Truppen sowie fast alle Kommandoränge, insofern also doch ein ziemlich reiner US-Krieg. *5 Juristisch gesehen befinden sich, mangels Friedensvertrag, die vier europäischen Siegermächte immer noch im Kriegszustand mit "Deutschland", weswegen auch die sogenannten "Feindstaaten"-Sonderklauseln der UN-Charta weiter gelten. *6 Viel mehr als ein paar Dollarbündel, Kisten voller Sturmgewehre und tragbare "Stinger"-Luftabwehrraketen waren nicht nötig, um der Sowjetunion einen ganz und gar nicht vorhergesehenen Abnutzungskrieg aufzuzwingen. In gewisser Weise schon ein Modell für den ab 2022 in die heisse Phase eintretenden Ukraine-Krieg. *7 In der wiederum sicherlich "authoritativen" US-Wikipedia finden sich detaillierte Angaben zum Afghanistan-Krieg der UdSSR, dort wird auch die Zahl von 14'000 bis 26'000 gefallenen Rotarmisten genannt. Für ein seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges in recht langer Friedensphase befindliches Land sicher ein Schock. *8 Es lohnt, aus dem Handelsblatt-Artikel von 2014 (https://www.handelsblatt.com/politik/international/us-aussenpolitik-sieben-staaten-in-fuenf-jahren/10036758.html) zu zitieren: > Kurz nach dem Terroranschlag auf die USA 2001 war Clark im Pentagon, als ihn ein Pentagon-Mitarbeiter den er kannte in sein Büro bat und ihm eröffnete, dass die USA den Irak angreifen werde. Auf die Frage warum, antwortete der nur „Wir wissen es nicht“. Der Irak werde auch nicht mit dem Anschlag auf das World Trade Center in Zusammenhang gebracht. Wochen später habe er den Offizier wiedergetroffen und gefragt, ob es bei dem Plan bleibe. „Es wird noch viel schlimmer“, habe der geantwortet und ihm von einem geheimen Memo des Verteidigungsministers berichtet: „Wir werden sieben Staaten in fünf Jahren zerstören“. / In dem Memo werden Irak, Syrien, Libanon, Lybien, Somalia, Sudan und Iran genannt. In dieser Reihenfolge. „Unser Land war in die Hände einer Gruppe von Männern, Paul Wolfowitz, Dick Cheney, Donald Rumsfeld und anderen, geraten, die den mittleren Osten destabilisieren, ins Chaos stürzen und unter unsere Kontrolle bringen wollten“, resümiert der heute 69-jährige pensionierte General und Vietnam-Veteran.< *9 Ein Ausdruck, den Sebastian Haffner einst für die k.u.k.-Monarchie und ihr Verhalten im Jahr 1914 prägte. *10 Die Unterstützung erstreckt sich dabei beileibe nicht nur auf diese beiden Punkte. *11 https://www.theamericanconservative.com/we-are-the-barbarians/ *12 Interview mit der Wochenzeitung "Die ZEIT" vom 14.Januar 2026 *k Korrektur: In der ersten Version dieses Textes war irrtümlich 1948 als Gründungjahr angegeben. Der 25.April 1945 gilt als Gründungsdatum der UN.
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