Fünfjahrespläne




1. Haiti

Manchmal tauchen früher gängige, mittlerweile aber ungebräuchliche Begriffe wie "Fünfjahresplan" ganz unvermutet auf, etwa bei der Lektüre einer Erzählung *1 von Graham Greene:




Zwar werden tatsächlich auch noch in der Bundesrepublik des Jahres 2025 "Fünfjahrespläne" erstellt bzw. versucht umzusetzen *2, aber ein Thema für unsere Medien sind diese speziellen Ausprägungen nicht. Den "gelernten DDR-Bürgern" *3 dürfte der Begriff noch eher geläufig sein, war doch die Erstellung, Verabschiedung und (angestrebte) Umsetzung solcher Pläne dort regelmässig Thema. Sind sie womöglich in der Sowjetunion, dem Führungsstaat des "real existierenden Sozialismus", erfunden worden?



2. Moskau oder Washington?

Auch wenn die Urheberschaft des Konzeptes "Fünfjahresplan" unklar sein mag, unstreitig ist, dass man in der damaligen UdSSR mit eben diesen Plänen die Wirtschaft (und auch die Gesellschaft) zu gestalten versuchte. Was sich auch ziemlich folgerichtig aus der Staatsphilosophie des "Marxismus-Leninismus" ergab, denn eine Notwendigkeit zur recht detaillierten Lenkung der Wirtschaft ergibt sich daraus fast automatisch. Also wurden während der Existenz der Sowjetunion mindestens zwölf Fünfjahrespläne verabschiedet und von der zuständigen Behörde GOSPLAN *4 umzusetzen versucht.

Für die "westliche Welt", in der ja eine ganz andere Doktrin vorherrschte, nämlich Wirtschafts-Liberalismus oder später Neo-Liberalismus, war hingegen schon die Vorstellung, der Staat solle die Wirtschaft lenken, verpönt. Im Gegenteil sollte sich der Staat am besten aus allen wirtschaftlichen Belangen zurückziehen, da das "freie Spiel der Markt-Kräfte" ganz automatisch zu einem idealen Gleichgewichtszustand und mithin zur "bestmöglichen Allokation von Ressourcen" führen werde.

Diese Vorstellung soll hier zunächst einmal nicht kritisiert werden *5. Aber sowohl das Literaturbeispiel des Haitianischen Fünfjahresplanes als auch die Existenz der bundesdeutschen Fünfjahrespläne gemäss "Bundesschienenwege-Ausbaugesetz" *2 zeigen, dass durchaus auch im "freien Westen" solche Mehrjahrespläne erstellt werden. Weitere Beispiele wären die verschiedenen Infrastrukturprojekte unter dem Roosevelt'schen "New Deal", etwa die "Tennessee Valley Authority", oder in der Nachkriegszeit das Delta-Projekt der Niederländer. Ginge es nach der reinen Lehre, wie sie etwa Friedrich von Hayek oder Milton Friedman propagierten, hätte es all' dieser staatlichen Pläne und Interventionen garnicht bedurft, da ja die "unsichtbare Hand des Marktes" alles bestens regeln soll.



3. Einst in Berlin

Oft wird der NS-Staat als eine Art super-kapitalistischer Staat dargestellt, was in mehrfacher Hinsicht nicht stimmt., nicht nur wegen der strukturellen Unterschiede etwa zum korporatistischen Faschismus in Italien. Zum einen gab es durchaus Strömungen und Personen im Nationalsozialismus, die dem Wortteil "Sozialismus" Gewicht geben wollten. Zum anderen waren ja auch die Kapitalisten durchaus nicht vor für sie schmerzhaften Eingriffen des NS-Staats in ihr "Schalten und Walten" gefeit, und zwar schon weit vor der Umsetzung der expliziten Kriegswirtschaft ab etwa 1940. Scharfe Preiskontrollen, Mindestlöhne oder auch staatlich forcierte Fusionen mochten dem "freien Unternehmer" so garnicht gefallen.

Deswegen sollte auch nicht verwundern, dass 1936 auch ganz offiziell ein Vierjahresplan erstellt wurde, und die Besetzung des Chefpostens lässt erkennen, dass man es durchaus ernst meinte. Berufen wurde nämlich Hermann Göring, der in der Nachkriegszeit zwar oft als fetter Nichtskönner dargestellt wurde - aber 1936 hatte Göring einen durchaus zu Recht erworbenen Ruf als fähiger Organisator und Macher.

Aber möglicherweise gab es schon vorher einen, wenn auch nicht publizierten, Fünfjahresplan. Und wenn wir die zeitliche Abfolge betrachten - 1933 Machtergreifung, 1938 Münchener Abkommen, 1939 Kriegsausbruch -, dann scheint es einen recht konsequent umgesetzten Fünfjahresplan mit dem Ziel "das deutsche Volk in fünf Jahren kriegstüchtig machen" gegeben zu haben. Denn nicht 1939, sondern 1938 war nach Eigenaussage Hitlers Wunschdatum für den Beginn des Ostfeldzuges. In einem psychologischen Sinne mag das deutsche Volk weder 1938 noch 1939 kriegsbereit gewesen sein, mindestens weit weniger als 1914. Wenn man Zeitzeugen glauben darf, gab es zu Kriegsbeginn keine jubelnden Soldaten wie zwanzig Jahre zuvor *6 - aber nicht nur materiell (Kanonen, Panzer, Flugzeuge) war man kriegsbereit, sondern auch in dem Sinne, dass der typische Deutsche schon 1938 willig war, sich mit der Möglichkeit eines neuen Grosskrieges abzufinden. Insofern eben "kriegstüchtig".



4. Brüssel

Noch immer ist es weder den Lohnschreibern der grossen Medien noch den befreundeten Kontakten in der "intelligence community" (Geheimdienstler) gelungen, irgendein Dokument, irgendein Video eines russischen Regierungsoffiziellen auszugraben, in welchem die Absicht, irgendein NATO-Land anzugreifen, verkündet würde. Noch nicht einmal bezüglich der Ukraine sind russische Ambitionen zur Übernahme des Gesamt-Gebietes aktenkundig, es geht vielmehr erkärtermassen (seit 2022!) nur um die Eingliederung von mehrheitlich von Russen bewohnten Gebieten.

Trotzdem läuft westlicherseits mindestens seit 2025 eine intensive Propagandakampagne, nach der Russland "2029, spätestens 2030" ein NATO-Land "überfallen" werde, so wie sie es schon 2022, "gänzlich unprovoziert", eben im Falle der Ukraine getan hätte. Wo nun genau dieser antizipierte Einfall der "russischen Horden" stattfinden werde, wird dabei bewusst nebulös gehalten. Wird es einer der Balten-Zwergstaaten sein, die Rest-Ukraine, oder doch Polen? Einerlei, dagegen helfe nur Abschreckung - Abschreckung durch in wahnsinnigem Umfange aufgestockte Waffenarsenale, durch Vergrösserung ("Aufwuchs") der stehenden Heere, durch Umstellung auch aller zivilen Ressourcen auf "Kriegsführungsfähigkeit". Es war Bundesminister Pistorius, der die schon von Herrn Goeebels verwendete Vokabel "kriegstüchtig" wieder reaktivierte.

Und eigentlich werden die Völker der EU ja schon seit rund 10 Jahren mit einer nie zuvor gesehenen Intensität dahingehend beschallt, dass von "den Russen", von Russland, vom "autokratischen Herrscher Putin" nur das Allerschlimmste zu erwarten sei. Und die konkreten Schritte, eine Kriegsführungsfähigkeit zu erlangen, werden ja durchaus öffentlich zelebriert - ob es nun um neue Kasernen, zur Rüstungsproduktion konvertierte Zivilunternehmen, kriegsbereite Krankenhäuser oder militärische Detailpläne etwa zur "Suwalki-Lücke" geht.

Umfragen zeigen zwar, dass immer noch die meisten Deutschen einen Krieg mit Russland ablehnen. Aber der Anteil derer, die ähnlich wie ihre Vorfahren in den späten 1930er Jahren willig sind, sich mit der Möglichkeit eines neuen Grosskrieges in Europa abzufinden, steigt leider.



5. Bunkerbauten einst und jetzt

Aus dem Wim-Wenders-Film "Der Himmel über Berlin" von 1987 hat der Sender ARTE neulich ein Szenenfoto gezeigt, in welchem Bruno Ganz und Peter Falk vor einer Imbissbude stehen, während im Hintergrund ein Hochbunker aus dem zweiten Weltkrieg zu sehen ist. Und jener im Bild gut sichtbare, in grossen Lettern aufgemalte Satz soll wohl noch heute dort stehen:

"Wer Bunker baut, wirft Bomben!"

Ein Satz, der für das "Dritte Reich" ohne Zweifel zutrifft - bevor man damals begann, die Nachbarstaaten mit Bomben einzudecken, hatte man das grösste Bunkerbauprogramm Europas gestartet - dessen Überreste sich vielerorts noch heute der Beseitigung widersetzen. Sind möglicherweise die Bundesregierungen der Neuzeit, die, wie etwa die feministischte Aussenministerin aller Zeiten, Frau Baerbock, plötzlich so begeistert von Grossbunkern sind *7, in Wirklichkeit weniger am Schutz der Zivilbevölkerung als am "Werfen von Bomben" auf andere Länder interessiert?

Bevor man allerdings wirklich wieder neue Grossbunker baut (die beim heutigen Stand der Bauvorschriften vermutlich ebenso lange der Verwirklichung harren würden wie etwa der Flughafen Berlin-Brandenburg), wird mit einigem Erfolg an mentalen Bunkerbauten gewerkelt. Dazu gehört neben der aus der Mottenkiste des Kalten Kriegs hervorgeholten allgemeinen Russophobie das Abriegeln aller Meldungen und Meinungen aus dem (selbstgewählten!) "Feindesland", also z.B. die schon 2022 erfolgte Verbannung russischer Medien wie RT *8 aus Kabelnetzen und Internet. Aber auch Stimmen aus den Ländern Europas, die dem Narrativ der EU nicht folgen können, werden zunehmend unterdrückt bzw. verfolgt. Zuletzt ganz drastisch wie im Falle des Schweizer ex-Offiziers Jacques Baud, der mit einer modernisierten Version der mittelalterlichen "Reichsacht" belegt wurde. Wieso sich die EU nun überhaupt irgendeine Verfügungsmacht über schweizerische Staatsbürger anmasst (und warum die Schweizer Regierung das ohne scharfen Protest hinnimmt), dürfte sich wohl auch die ebenfalls EU-sanktionierte kamerunisch-schweizerische Bürgerin Nathalie Yamb fragen. Im Unterschied zu Herrn Baud, der nun quasi an seinem derzeitigen Wohnort Brüssel immobilisiert ist, hält sich Frau Yamb wohl in Westafrika auf und dürfte sich etwas Freizügigkeit erhalten haben. Verkehrte Welt: Ausgerechnet ein Staat mit dem abgewandelten Vichy-Motto "paix-travail-patrie" und Liktorenbündeln *9 im Staatswappen könnte also zum Zufluchtsort für EU-Verfolgte werden...



6. Ein guter Plan?

Das mental verbunkerte EU-Europa ist momentan etwas abgelenkt durch die Aktionen der "westlichen Führungsmacht" USA. Propagandistisch hat zumindest der SPIEGEL eine Formulierung gefunden, die von der so erfolgreich umgesetzten Vasallierung der EU-Länder abzulenken vermag: Der offen zutage getretene Imperialismus (bezüglich Grönland, Venezuela etc.) ist danach einfach nur "Trumps Imperialismus". Aber natürlich ist es in Wirklichkeit nur der sattsam bekannte US-Imperialismus, der mit US-Machtmitteln umgesetzt wird. Der Unterschied zu früher besteht vor allem darin, dass die gegenwärtige US-Regierung nahezu vollständig auf "moralische" Bemäntelungen dieses Imperialismus verzichtet. Und insofern, als Mr. Trump sich ja nicht (zumindest nicht direkt) an den Erfolgen der imperialistischen Eroberungen bereichert, sondern diese nachdrücklich für die USA einfordert ("wir brauchen Grönland zum Schutz der USA"), ist das Gerede von "Trumps Imperialismus" nur ein weiterer Baustein in der Verdummungskampagne gegen die eigenen Bürger.

Sichtbar wird von den bestimmenden Eliten in der EU *10 auch eine Art "Fünfjahresplan 2025-2030" umgesetzt. Extreme Aufrüstung, gesellschaftliche Formierung und Militarisierung, umfassende Kontrolle des "Informationsraumes" sind als Ziele schon erkennbar. Was nun das wirkliche Endziel sein soll, darüber mag man spekulieren: Will man tatsächlich in einen direkten und heissen Krieg gegen die eurasische Grossmacht Russland eintreten, oder nur im globalen Mächtepoker des 21. Jahrhunderts "bessere Karten" haben?

Was im 19. Jahrhundert noch als irgendwie tolerierbare Beschäftigungstherapie für unausgelastete Generalstäbe erscheinen mochte, wird im 21.Jahrhundert zur potentiellen Selbstmordmission. Niemand kann garantieren, dass weitere Provokationen von NATO oder EU gegen Russland, etwa in der Ostsee, von der dortigen Regierung weiterhin so gleichmütig hingenommen werden wie die bisherigen Provokationen (z.B. widerrechtliches Kapern russischer Schiffe). Schliesslich verbindet dies die "Nukleardoktrinen" aller Staaten mit Atomwaffen: Sobald sich der jeweilige Staat in seiner Existenz bedroht sieht, wird er seine Nuklearwaffen einsetzen. Und dann werden auch tausend neue Panzer oder hundert neue Fregatten nichts an der finalen Zerstörung des Kampfgebietes ändern können, und dieses Gebiet wird dann aller Wahrscheinlichkeit nach Deutschland sein.



7. Plan oder "Zufall"?

Man mag bezweifeln, ob es wirklich einen Fünfjahresplan zur Transformation Deutschlands und/oder der EU-Staaten hin zu Kriegsführungsfähigkeit oder eben Kriegstüchtigkeit gibt. Zwar gibt es das Franklin D. Roosevelt zugeschriebene Bonmot “In politics, nothing happens by accident. If it happens, you can bet it was planned that way.*11. In letzter Instanz ist es aber auch egal, ob es wirklich einen solchen Plan, womöglich gar in Schriftform, gibt. Die Tatsache, dass die Mehrzahl der derzeit regierenden Politiker in der EU sich so verhält, als würden sie einen solchen Plan verfolgen, ist alarmierend genug.


Nüchtern und vom Standpunkt des Normalbürgers aus betrachtet, ist ohnehin nicht ersichtlich, warum Deutschland und Russland nicht die in Teilen ja schon seit den 1970er Jahren und bis etwa 2020 praktizierte Kooperation fortsetzen sollten. Es gibt keinerlei ernsthafte Interessenkonflikte jenseits der grundlos zum EU-Interesse erwählten Ukraine, auch keine Territorialkonflikte wie etwa zwischen Japan und Russland. DIPLOMATIE und Vermittlung wäre eigentlich die logische Rolle Deutschlands im Verhältnis zu Russland, nicht Konfrontation und Schüren künstlicher Feindbilder. Wem dienen eigentlich die derzeitigen Politiker der "Einheitspartei" CDUCSUSPDFDPGrüne? Wohl kaum dem deutschen Volke.


(02.02.2026)



*1 Graham Greene: "Stunde der Komödianten", 1965

*2 Laut Wikipedia werden in Deutschland Fünfjahrespläne nach BSWAG für den Ausbau von Schienenwegen erstellt.

*3 Als "gelernte DDR-Bürger" bezeichne ich diejenigen Bundesbürger, die ihre prägenden Erfahrungen aus den ersten bewusst erlebten Lebensjahrzehnten noch in der DDR gemacht haben.

*4 Zu GOSPLAN auch mein Text aus dem Jahre 2017 "Weltregierung und GOSPLAN"

*5 Die pointierte Kritik, die John Maynard Keynes schon früh formulierte, soll aber noch einmal angeführt werden: “Capitalism is the astounding belief that the most wickedest of men will do the most wickedest of things for the greatest good of everyone.

*6 Freilich sollte beim Betrachten der so oft wiederholten Wochenschau-Aufnahmen von 1914 daran gedacht werden, dass nicht jubelnde Soldaten wohl kaum abgelichtet wurden. da sie schon damals nicht ins offizielle "Narrativ" passten.

*7 Siehe u.a. diesen Artikel über Frau Baerbock in Finnland

*8 Siehe Verlautbarung von Ursula von der Leyen

*9 Möglicherweise sind das genannte Staatsmotto sowie die im Staatswappen Kameruns erkennbaren Liktorenbündel nur nie entfernte Überbleibsel aus der Zeit der Vichy-Regierung in Frankreich - das Vichy-Motto lautete übrigens "travail, famille, patrie". Jene "fasces", in die die Waffen der altrömischen Liktoren gehüllt waren, wurden später die Namensgeber für den Begriff "Faschismus".

*10 Diesbezüglich erscheint auch Grossbritannien wieder als vollwertiges Mitglied der EU, bzw. der "Koalition der Willigen" (willig wozu?)

*11 "Nichts in der Politik ereignet sich 'einfach so'. Wenn etwas passiert, können sie darauf wetten, dass es genau so geplant war." Wie so oft bei mündlichen Äusserungen berühmter Personen wird auch in diesem Fall die Authentizität angezweifelt.



www.truthorconsequences.de